Studium an Universität oder FH mit Behinderung

An Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhalten sämtliche Studieninteressenten eine Chance auf einen Hochschulabschluss. Dies gilt ebenfalls für Studierende mit Behinderungen. Studierende mit Beeinträchtigungen erfahren in ihrem Studienalltag jedoch andere Voraussetzungen und Herausforderungen. Der nachfolgende Artikel verrät sämtlichen Interessenten, wie sie ein Studium an einer Universität oder Fachhochschule trotz Beeinträchtigung meistern können.

 

Studienplatzvergabe für Studierende mit Behinderungen

Studierende mit Behinderungen besitzen bezüglich Studienplatzvergabe ebenfalls dieselben Voraussetzungen zur Zulassung und Quote wie alle anderen Studierenden. Interessieren sich beeinträchtigte Studierenden für einen Studienplatz an einer Universität oder Fachhochschule, gelten für sie auch die Zulassungsvoraussetzungen für den Studiengang. Ob der Studierende den Studiengang belegen kann, hängt stark davon ab, ob der Interessent die Voraussetzungen erfüllen kann. Ist der Student aufgrund des Grades seiner Beeinträchtigung nicht in der Lage, die Voraussetzungen für den Studiengang zu erfüllen, können im Bedarfsfall die Zulassungsvoraussetzungen angepasst werden.

Um einen Studiengang trotz Beeinträchtigung zu belegen, benötigen die Interessenten einen höheren Bildungsabschluss. Studieren ohne Abitur mit einer Behinderung ist zwar möglich, aber nur mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Vor allem Hilfsmittel oder eine Assistenz lassen sich für Studierende ohne Abitur erschwert durch staatliche Mittel finanzieren.

Besitzt der Studierende einen höheren Bildungsabschluss, interessiert sich allerdings für einen Studiengang mit speziellen Zugangsvoraussetzungen, kann er sich auf die Regelung für Studienplatze für Härtefälle berufen. Bis zu zwei Prozent der Studienplätze für Härtefälle stehen durchschnittlich bei bundesweiten zulassungsbeschränkten Studiengängen der Zielgruppe zur Verfügung. Personen, welche als Härtefall eingestuft werden, müssen die verlangten Zulassungsvoraussetzungen für den ausgewählten Studiengang erfüllen. Dennoch besteht für Härtefälle keine Leistungs- oder Wartezeitquote. Alle Personen, welche nicht als Härtefall eingestuft werden, können dennoch Anträge stellen, um für den Studiengang zugelassen werden zu können. Der erste Antrag bezieht sich auf den Nachteilsausgleich zur Verbesserung der Durchschnittsnote, der zweite auf den Nachteilsausgleich zur Verbesserung der Wartezeit. Das Studentenwerk informiert Interessernten ausführlich, wie die jeweiligen Anträge gestellt werden können.

 

Barrierefreiheit an der Universität oder FH

Generell ist nahezu jede Universität und Fachhochschule in Deutschland, Österreich und der Schweiz barrierefrei. Die Zugänge zu den Gebäuden und Hörsälen ist auch für Studierenden mit Beeinträchtigungen leicht möglich. Ebenfalls bieten die Institute beispielsweise Rampen und Fahrstühle für einen einfachen Zugang zu den Hörsälen. Außerdem ist es möglich, dass beeinträchtigte Studierende nicht nur in eigene Wohnungen bzw. Wohngemeinschaften ziehen, sondern auch Studentenwohnheime nutzen. Der Großteil der Studentenwohnheime weist zumindest ein rollstuhlgerechtes Wohnheimzimmer auf. Zudem können Zimmer für seh- oder hörbeeinträchtigte Studierenden existieren. Je nach Wohnheim sind zugleich kleinere Umbaumaßnahmen möglich, um einen barrierefreien Zugang zu ermöglichen.

Bezüglich Prüfung muss die Beeinträchtigung des Studenten stets berücksichtigt werden. Der Studierende muss trotz seiner Beeinträchtigung in der Lage sein, an der Prüfung teilnehmen zu können. Ist die vorgesehene Form der Prüfung für den Studierenden mit einer Behinderung nicht passend oder kann er die Prüfung aufgrund der Form nur unter erschwerten Bedingungen ablegen, muss die Form der Prüfung an die Möglichkeiten des Studierenden angepasst werden. Dieser Vorgang ist gesetzlich geregelt. Generell besprechen beeinträchtigte Studierende den Prüfungsvorgang mit dem jeweiligen Prüfer. Welche Form der Prüfung letztendlich abgelegt wird, geht aus dieser Vereinbarung hervor. Sie entspricht allerdings immer der möglichen Durchführbarkeit des beeinträchtigten Studierenden.

 

Studienfördermaßnahmen für beeinträchtigte Studenten

Generell gelten in Deutschland für Studenten Studiengebühren, welche je nach Einrichtung bereits ab dem ersten Semester zu bezahlen sind. Studierende mit Beeinträchtigungen müssen diese folglich ebenfalls bezahlen. Dennoch existiert die Möglichkeit einer Befreiung der Studiengebühren. Die Befreiung wird nur aufgrund einer Antragsstellung ermöglicht. Infrage kommen Studierende mit einer Behinderung sowie einer chronischen Krankheit. Die Befreiung hängt teils wesentlich vom Grad der Beeinträchtigung ab.

Neben einer Befreiung der Studiengebühren erhalten beeinträchtigte Studierende weitere Vergünstigungen im finanziellen Bereich. Handelt es sich um eine Geh-, Hör- oder Sehbehinderung, erhalten die Personen einen Anspruch auf eine generelle Freifahrt mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln, wodurch sie alle Öffis kostenlos nutzen dürfen. Mit dem Merkzeichen B dürfen sie ebenfalls eine Begleitperson kostenfrei mitnehmen. Schwerbehinderte Studierende erhalten zusätzlich ein kostenloses Semesterticket. Schwerbehinderte Personen, welche öffentliche Verkehrsmittel aufgrund ihrer Behinderung nicht verwenden können, müssen ebenso keine Gebühren für das Semesterticket bezahlen.

Auch besitzen beeinträchtigte Studierende einen Anspruch auf finanzielle Unterstützungen zum Begleich ihres Lebensunterhalts. Allgemein können sie BAföG ansuchen oder ein Stipendium erhalten. Für den Erhalt des BAföG muss der Anspruch durch den Antragssteller gegeben sein. Mittels BAföG Rechner kann jeder Studierende leicht errechnen, ob er generell Anspruch auf die Förderung hat und in welcher Höhe er sie erhält.

 

Begleitung durch einen Studienassistenten

Gewisse Studierende benötigen aufgrund des Grads ihrer Behinderung eine Assistenz in ihrem Studienalltag durch einen Studienassistenten. Diese Personen können die Assistenz eines Studienassistenten in Anspruch nehmen. Ebenfalls erhalten Studierende mit körperlichen Beeinträchtigungen die Möglichkeit, eine Unterstützung für ihren Haushalt zu bekommen. Die Unterstützung fällt unter den Bereich des behinderungsbedingten nicht ausbildungsgeprägten Mehrbedarfs. Das Studentenwerk informiert ausgiebig, wie der Umfang der Unterstützungsleistung ausfällt, da er stets von der eigenen Pflegestufe abhängt.

 

Beratungsangebote für beeinträchtigte Studierende

Speziell für Studierende mit Behinderungen existieren eigene Beratungsangebote. Die kompetente Beratung durch Fachpersonen hilft sowohl bei der Studienwahl wie bei Anträgen für Förderungsmaßnahmen oder Vergünstigungen. Deutschland weist inzwischen mehrere dieser Anlaufstellen für Studierende mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen auf. Die meisten Hochschulen und Studentenwerke beschäftigen Beauftragte bzw. Berater, welche sich eigens auf diese Personengruppe spezialisiert haben.

Vor allem die Themen Hochschulzulassung und Nachteilsausgleich gehören zu ihren beraterischen Tätigkeiten. Bei Bedarf erhalten die Studierenden mit Beeinträchtigungen sogar direkt durch die Berater eine Unterstützung ihrer Studienorganisation. Ebenfalls fällt die Barrierefreiheit an der Hochschule unter ihr Zuständigkeitsgebiet. Weitere Informationen bezüglich Beratungsmöglichkeiten für Studierende mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen können Interessenten der Website studienwahl.de entnehmen.

Zusammenfassung der wichtigsten studienrelevanten Inhalte für Studierende mit Beeinträchtigungen

  • Studierende mit Beeinträchtigungen besitzen generell gleiches Recht an der Teilnahme an ausgesuchten Studiengängen wie andere Studierende
  • müssen auch Zugangsvoraussetzungen erfüllen, falls diese vorhanden sind – lediglich Ausnahme für Härtefälle möglich
  • Universitäten und Fachhochschulen weisen Barrierefreiheit in Gebäuden auf
  • Prüfungsmodalitäten werden der Beeinträchtigung der Studenten angepasst
  • Pflicht zur Bezahlung von Studiengebühren – Befreiung durch Antrag für alle Studierenden mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen möglich
  • Beeinträchtigte Studierende können Studienassistenz sowie finanzielle Förderungsmaßnahmen beantragen
  • spezielles Beratungsangebot durch deutschlandweite Institutionen gegeben
  • weitere Informationen unter studium-ratgeber.de sowie studieren.at