So gelingt der Berufseinstieg mit Behinderung

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Schwierig aber nicht unmöglich – so kann man den Berufseinstieg für Menschen mit Behinderung beschreiben. Hier erfahren Sie, wo die Schwierigkeiten liegen und wie Sie sie umgehen können.

Jobeinsteiger mit Behinderung sind eine überschaubare Gruppe. Die meisten Behinderungen, 90 Prozent, treten im Laufe des Lebens auf. Diese Menschen befinden sich dann meistens schon in einer Anstellung. Sollte das nicht der Fall sein, dürften sie ähnliche Schwierigkeiten haben, wie behinderte Personen, die gerade ein Studium abgeschlossen oder eine Ausbildung absolviert haben. Personaler haben Vorurteile und Berührungsängste. Sie fürchten, dass Personen mit einem Handicap die Aufgaben nicht so gut erledigen können, dass sie weniger belastbar sind, man für sie alles umbauen muss und sie letztendlich nicht mehr loskriegt – Stichwort: Kündigungsschutz. Unter diesen Umständen ist es für behinderte Berufseinsteiger unvergleichbar schwierig, eine adäquate Stelle zu finden.

Mehr als 150.000 Absolventen stehen jährlich auf der Straße. Es ist aber auch nicht unmöglich, einen guten Job zu bekommen. Es lohnt sich, den Kampf aufzunehmen. Zudem hilft es anderen Menschen, die sich in der gleichen Situation befinden, wenn Sie sich gegen alle Widerstände durchsetzen und letztendlich ihren Traumberuf ausüben können.

Umgang mit der Behinderung

Um beruflich weiterzukommen, ist ein offener Umgang mit der Behinderung von Vorteil. Legen Sie gleich die Karten auf den Tisch, andernfalls verbauen Sie sich Chancen. Unternehmen und öffentliche Arbeitgeber, wie Behörden, müssen nämlich Strafe zahlen, wenn Sie keine behinderten Personen beschäftigen. Somit könnte es sein, dass Sie gegenüber anderen Bewerbern sogar im Vorteil sind. Zudem ist es für die Reputation einer Firma förderlich, Menschen mit Handicap einzustellen. Hierbei werden Sie allerdings bei größeren Unternehmen mehr Glück haben. Für kleine Betriebe ist es oft nicht machbar, größere Umbaumaßnahmen vorzunehmen, damit Sie einen barrierefreien Zugang, einen entsprechenden Arbeitsplatz oder eine Küche zum Insulin spritzen und kochen bekommen. Selbst mit Hilfe der Förderungen, die diese Firmen dafür erhalten würden, ist das nicht zu stemmen. Bei Großbetrieben ist die nötige Infrastruktur meist schon vorhanden.

Wenn Sie Ihren gesundheitlichen Zustand verschwiegen, verzichten Sie auch auf Vorzüge, die explizit behinderten Menschen zustehen, wie etwa steuerliche Entlastungen, mehr Urlaubstage, Vergünstigungen bei öffentlichen Verkehrsmitteln, gesonderte Parkplätze etc. Zudem schaden Sie auch ihrem Chef. Er muss Ausgleichszahlungen leisten, die er gar nicht ausrichten müsste. Ferner würde auch er Zuwendungen bekommen, wenn er Sie einstellt. Am besten recherchieren Sie alle Vorteile für Arbeitgeber, die behinderte Personen einstellen und weisen ihren zukünftigen Chef gleich beim Vorstellungsgespräch darauf hin. Viele Personaler wissen nämlich kaum etwas darüber. Und diese Vorteile könnten die Entscheidung für Sie als Mitarbeiter positiv beeinflussen.

Ferner ist es sinnvoll, auf die eigene Behinderung hinzuweisen, damit Ihr künftiger Arbeitgeber weiß, wo Ihre Stärken und Schwächen sind. So kann er Sie gleich bei der passenden Position platzieren und Ihnen die Dinge zur Verfügung stellen, die Sie benötigen, wie zum Beispiel einen besonderen Bürostuhl, eine Behindertentoilette, eine Kochmöglichkeit etc.

Zudem ist es gut, wenn ihr Chef und die Mitarbeiter über Ihre Erkrankung informiert sind. Im Notfall können sie dann entsprechend handeln oder den Sanitätern die richtigen Informationen geben.

 

Kein offensiver Umgang mit der Behinderung

Ein offener Umgang mit der eigenen Erkrankung ist, wohlgemerkt, kein offensiver Umgang. Ihre Behinderung sollte nicht Thema der Bewerbung sein, sondern allenfalls eine Randnotiz. Auch beim Vorstellungsgespräch sollten Sie keine fachchinesischen medizinischen Details auspacken. Hier haben Ihre Qualifikationen und Kompetenzen im Vordergrund zu stehen. Wenn die Behinderung Ihr einziges Thema ist, klappt es später auch nicht mit den Kollegen. Hier ist ein gesunder Mittelweg gefragt: Nicht alles verschweigen, aber auch nicht andauernd darauf hinweisen.

 

Jobcoaching für Menschen mit Behinderung nutzen

Gehen wir mal davon aus, dass sie eingestellt wurden. Manchmal klappt es jedoch nicht so richtig mit den Arbeitsabläufen. Es sind viele neue Reize vorhanden, die verwirren und ablenken. Sie können sich nicht auf das Nötige konzentrieren. Oder Sie schaffen es nicht, gewisse Zeitvorgaben einzuhalten usw. Das ist alles kein Weltuntergang! Für diese Fälle gibt es Hilfe. Sie können beim zuständigen Integrationsamt ein Jobcoaching beantragen. Der Coach wird Ihnen helfen Blockaden abzubauen und sich auf wesentliche Dinge zu fokussieren. Zudem begleitet er Sie bei den Arbeitsabläufen, bis Sie selbst so sicher sind, dass Sie keine Unterstützung mehr nötig haben.

 

Integrationsbeauftragten konsultieren

Sollte es im Betrieb Probleme geben, etwa dass Sie von den Kollegen gemobbt werden oder dass Ihr Chef Ihnen Dinge, die Ihnen zustehen, vorenthält, wenden Sie sich an den Integrationsbeauftragten. In jedem größeren Unternehmen und in jedem öffentlichen Betrieb ist eine Person für die Belange behinderter Menschen zuständig.

 

So gelingt der Berufseinstieg mit Handicap

Kündigen darf der Arbeitgeber Sie ohnehin nicht ohne weiteres. Das darf nur im Einvernehmen mit dem zuständigen Integrationsamt geschehen. Sie genießen schließlich Kündigungsschutz. Daher stellen viele Personaler behinderte Menschen erst gar nicht ein. Sie aufgrund der Behinderung abzulehnen, ist Diskriminierung. Das darf ein Arbeitgeber gar nicht. Er kann sich aber zig andere Gründe einfallen lassen, weshalb er Sie nicht beschäftigen möchten. Lassen Sie sich nicht abfertigen. Verweisen Sie zudem auf de ganzen positiven Aspekte, wenn er ausgerechnet Sie einstellen würde. Zum einen wären das die ganzen Vergünstigungen und Extras, die Arbeitnehmer bei der Einstellung behinderter Personen erhalten.

Und zum anderen, was noch wichtiger ist, sind es Ihre speziellen Vorzüge, wie etwa schnelle Auffassungsgabe, Teamfähigkeit, die Beherrschung seltener Computerprogramme, Verhandlungsgeschick etc. Diese Eigenschaften sollten Sie sich vorab bewusst machen und mit Selbstbewusstsein vorbringen. Der Arbeitgeber muss danach denken, dass es ein großes Glück für ihn sei, dass Sie bei ihm in den Betrieb mit einsteigen möchten.

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