Ausbildung für behinderte Menschen

Die eigene Ausbildung ist ein zentraler Schwerpunkt im Leben jedes Menschen. Vor allem junge Leute versuchen, ihren Traumberuf zu erlernen und streben deshalb eine Ausbildung an. Dennoch besitzen vor allem behinderte Menschen einen erschwerten Zugang zu Ausbildungsplätzen. Die Möglichkeit für beeinträchtigte Jugendliche auf der Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz sind vielseitig. Als zusätzlicher Anreiz für die Ausbildungsbetriebe winken neben arbeitswilligen Personen auch zahlreiche Unterstützungen.

 

Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz

Die Ausbildung ist ein zentraler Punkt jedes Jugendlichen. Während sich manche Jugendliche für ein Studium entscheiden, wählt der Großteil eine Ausbildung in einem Fachbetrieb. Jugendliche mit einer Beeinträchtigung stellen hierbei keine Ausnahme dar. Allerdings ist die Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz für Jugendliche mit einem Handicap wesentlich schwieriger als für vollkommen gesundere Personen. Um als beeinträchtigter Jugendlicher einen Ausbildungsplatz zu erhalten, sollte früh genug mit der Suche gestartet werden. Als erste Anlaufstelle dient die Agentur für Arbeit, welche häufig eine eigene Abteilung speziell für Personen mit einer Beeinträchtigung besitzt. Jugendliche müssen sich lediglich an die Agentur wenden, dort Formulare ausfüllen und auf einen Gesprächstermin mit einem persönlichen Berater warten. Im Zuge dieses Gesprächs erfährt der Berater, welche Kompetenzen und Interessen der Jugendliche besitzt. Ebenfalls stellt der Berater fest, wo der Jugendliche möglicherweise Unterstützungen oder Förderungen benötigt.

Das persönliche Gespräch dient letztendlich dazu, dass der Berater in der Lage ist, den Jugendlichen bei der Suche nach einem passenden Ausbildungsort zu unterstützen. Als optimale Hilfestellung für den Berater kann der Jugendliche bereits Wunschvorstellungen für seine Ausbildung äußern. Allerdings muss der Jugendliche noch nicht wissen, welche Ausbildung er absolvieren muss. Der Berater kann mehrere Ausbildungen nach einer Analyse dem Jugendlichen vorschlagen, aus welchen er letztendlich auswählen kann. Zugleich steht es dem Jugendlichen frei, die Vorschläge abzulehnen und auf zutreffendere Ergebnisse zu warten.

 

Vorbereitende Maßnahmen für Auszubildende

Möchte der beeinträchtigte Jugendliche eine bestimmte Ausbildung durchführen, reichen seine Fähigkeiten aber noch nicht für diese, kann er bei Bedarf trainiert werden. Die sogenannte Aktivierungshilfe bereitet ihn zunächst auf das Arbeitsleben vor. Sie dient der Heranführung sowie Eingliederung in das Ausbildungs- und Beschäftigungssystem. Als Schwerpunkte der Aktvierungshilfe gelten die Motivierung des Jugendlichen, Umfangsformen, Bewerbungstraining sowie berufliche Orientierung. Die Dienstleistung wird kostenlos von der Agentur für Arbeit zur Verfügung gestellt. Als Zielgruppe gelten Jugendliche und Auszubildende bis zum Höchstalter von 25 Jahren. Auch Jugendliche ohne Erstausbildung können das Training in Anspruch nehmen.

Des Weiteren besitzen behinderte Jugendliche die Möglichkeit zur berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme, kurz BvB. Diese wird ebenso von der Agentur für Arbeit gefördert. Die BvB beinhaltet verschiedene Maßnahmen wie etwa Allgemeinbildung, den Erwerb von Schlüsselqualifikationen oder einen Einblick in verschiedene Berufsfelder. Die Förderung orientiert sich vor allem stark auf die Besonderheiten der Jugendlichen, sodass die Beeinträchtigung des Auszubildenden wesentlich berücksichtigt wird.

Fördermaßnahmen für jugendliche Auszubildende mit Beeinträchtigung

Jugendliche Auszubildende mit einer Beeinträchtigung bekommen nach dem erfolgreichen Erhalt eines Ausbildungsplatzes zahlreiche Förderungen. Die Agentur für Arbeit fördert Jugendliche in Ausbildung mit der sogenannten Berufsbildungsbeihilfe (BAB). Ist der Jugendliche unverheiratet und unter 21 Jahre alt, erhält er eine Förderung in Höhe von 310 Euro je Monat. Diese Förderung ist für den Lebensunterhalt des Jugendlichen gedacht und gilt vor allem für beeinträchtigte Auszubildende. ZUdem können nicht behinderte Jugendliche die Förderung beantragen, insofern sie in einer eigenen Wohnung leben, da der Ausbildungsbetrieb vom Elternhaus zu weit weg ist. Beeinträchtigte Jugendliche besitzen diese Voraussetzungen für den Erhalt der BAB nicht, sodass ihr Elternhaus in der Nähe des Ausbildungsbetriebs liegen kann.

Weitere Fördermaßnahmen für beeinträchtige Jugendliche bietet das Integrationsamt. Ziel des Integrationsamts ist die Eingliederung schwerbehinderter Menschen in das Arbeitsleben. Mit der Förderung durch das Integrationsamt werden letztendlich notwendige Umbauten, Hilfsmittel oder Einrichtungen bezahlt, durch welche der Jugendliche seine Behinderung kompensieren kann. Auch Dienstleistungen für diesen Zweck sollen mit der Förderung beglichen werden. Als zusätzlichen Service bietet das Integrationsamt eine ausführliche Beratung von Arbeitgebern sowie eine psychosoziale Beratung bei Problemen. Sämtliche Förderungen des Integrationsamts werden durch die Ausgleichsgabe bezahlt. Alle Firmen mit einem Mitarbeiteranteil von schwerbehinderten Menschen, dessen Prozentsatz zu niedrig ist, müssen diese Abgabe entrichten.

 

Spezielle Ausbildungsberufe für Menschen mit Beeinträchtigung

Im §66 BBiG/§42m HwO werden alle Ausbildungsberufe für Menschen mit Beeinträchtigung vermerkt. Generell besteht die Möglichkeit für Jugendliche und Menschen mit Beeinträchtigung, eine Wunschausbildung im Standardausmaß durchzuführen. Ist dies jedoch aufgrund der Behinderung nicht möglich, erhalten die Betroffenen die Chance, eine erleichterte Ausbildung zu absolvieren. Im Anschluss an die reguläre Ausbildung existiert die Chance auf eine Weiterbildung in einen anerkannten Ausbildungsberuf. Die Website planet-beruf.de listet hierfür alle Ausbildungsberufe mitsamt möglicher Weiterqualifikation für Jugendliche mit Handicap auf.

 

Ausbildungsmaßnahmen für beeinträchtige Jugendliche in Österreich

Beeinträchtigte Jugendliche in Österreich besitzen einen gewissen Vorteil gegenüber Auszubildenden in Deutschland. Erfüllen Menschen mit Behinderungen bestimmte Voraussetzungen, können sie sich für die Personengruppe der begünstigten Behinderten qualifizieren. Begünstigte Behinderungen erhalten nicht nur Vorteile am Arbeitsmarkt, sondern ebenfalls zahlreiche Förderungen. Zu diesen zählen

  • ein erhöhter Kündigungsschutz
  • verschiedene Förderungen und Unterstützungsangebote
  • Unterstützungsleistungen 

Personen und Auszubildende mit einer Behinderung können aufgrund des erhöhten Kündigungsschutzes nicht einfach gekündigt werden. Bevor der Anspruch auf eine Kündigung geltend wird, muss zunächst die Zustimmung des Behindertenausschusses eingeholt werden. Erst nach dieser ist die Kündigung des Betroffenen gültig. Ebenfalls erhalten beeinträchtigte Jugendliche und Menschen in Ausbildung zahlreiche Förderungs- und Unterstützungsangebote, mit welchen sie ihre Ausbildung wie etwa eine Lehre oder ein Studium finanzieren können. Die Fördermaßnahmen beschränken sich aber nicht nur auf den Arbeitnehmer. Auch der Arbeitgeber kann von ihnen profitieren. Er erhält Förderungen, Unterstützungsleistungen oder Zuschüsse für sein Unternehmen, wenn er Menschen mit Beeinträchtigung beschäftigt. Benötigt ein angestellter eine Assistenz für seine Tätigkeit, muss diese weder vom Arbeitnehmer wie vom Arbeitgeber finanziert werden. Die Zahlung der Assistenz bzw. der Unterstützungsleistung übernimmt das Sozialministeriumservice in Form von finanzierten Arbeitsmarktprojekten.

Generell gilt in Österreich eine Pflicht für alle Unternehmen, eine bestimmte Anzahl an beeinträchtigten Personen aus der Kategorie der begünstigten Behinderten zu beschäftigen. Die Anzahl an begünstigten Behinderten in einem Unternehmen hängt letztendlich von der Größe des Unternehmens ab. Erfüllen die Unternehmen die Quote nicht, erwartet sie die Zahlung einer Ausgleichstaxe. Diese wird durch das Sozialministeriumsservice eingehoben.

Weitere Informationen zur Ausbildung für Jugendliche und Menschen mit Beeinträchtigungen bietet die Website des österreichischen Sozialministeriumservice sowie die Website myhandicap.de.